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Ratgeber · Sommerlicher Wärmeschutz

Sommerlicher Wärmeschutz: warum die Simulation oft günstiger baut als das Standardverfahren.

Kurz gesagt: Sommerlicher Wärmeschutz sorgt dafür, dass sich Räume im Sommer nicht unzumutbar aufheizen – ganz ohne Klimaanlage. Weil die Sommer heißer werden, die Häuser immer besser gedämmt sind und die Fensterflächen wachsen, verlangt das GEG § 14 für Neubauten einen Nachweis nach DIN 4108-2. Dafür gibt es zwei Wege: das einfache Sonneneintragskennwertverfahren und die genauere thermische Gebäudesimulation. Das einfache Verfahren rechnet mit hohen Sicherheiten und verlangt oft teure Technik. Die Simulation bildet die Realität ab – und erspart damit nicht selten außenliegenden Sonnenschutz oder Sonnenschutzglas. Das senkt die Baukosten.

Stand: Juli 2026 · nach GEG § 14 und DIN 4108-2:2013-02 (Abschnitt 8), Simulation in Anlehnung an DIN EN ISO 13791

Gut zu wissen: Diesen Ratgeber halte ich bewusst einfach. Den eigentlichen Nachweis – das Sonneneintragskennwertverfahren wie auch die thermische Simulation – erstelle ich als dena-gelisteter Energieeffizienz-Experte für Ihr konkretes Gebäude. Die Simulation rechne ich mit der Energieberater-Software EVEBI; das Ergebnis ist ein prüffähiger Nachweis für GEG, KfW oder QNG.

Warum sommerlicher Wärmeschutz immer wichtiger wird

Jahrzehntelang drehte sich beim Bauen alles um den Winter: dämmen, abdichten, Heizkosten senken. Der Sommer war kein Thema. Das hat sich gedreht – aus drei Gründen, die zusammenwirken.

Erstens: Die Sommer werden heißer. Hitzewellen mit mehreren Tagen über 30 °C und warme Nächte, die kaum noch abkühlen (sogenannte Tropennächte), häufen sich. Ein Raum, der sich einmal aufgeheizt hat, kommt über Nacht nicht mehr richtig herunter – und startet am nächsten Morgen schon warm in den Tag.

Zweitens: Dieselbe Dämmung, die im Winter hilft, hält im Sommer die Wärme fest. Eine gut gedämmte, luftdichte Hülle verhindert im Winter, dass das Haus über Nacht auskühlt – genau das ist gewollt. Im Sommer wirkt dieselbe Eigenschaft aber gegen uns: Die Wärme, die tagsüber ins Haus gelangt ist, kann nachts kaum noch entweichen. Ohne gezielte Gegenmaßnahmen staut sie sich.

Drittens: Die Fensterflächen werden immer größer. Bodentiefe Verglasungen und große Fensterfronten sind beliebt – sie bringen Licht und Weite. Sie sind aber auch das Einfallstor für solare Wärme: Durch Glas gelangt im Sommer sehr viel Energie in den Raum. Je größer und je mehr nach Süden oder Westen orientiert, desto stärker heizt sich der Raum auf.

Zusammengenommen heißt das: Moderne, energieeffiziente Häuser sind hervorragend gegen Kälte geschützt – und gerade deshalb anfällig für Überhitzung. Sommerlicher Wärmeschutz ist die notwendige Kehrseite des guten Winterschutzes. Er stellt sicher, dass die Räume auch an heißen Tagen bewohnbar bleiben, ohne dass eine energiehungrige Klimaanlage nötig wird.

Warum sich ein modernes Haus im Sommer aufheizt Querschnitt eines Hauses mit drei Ursachen für sommerliche Überhitzung: Solarer Wärmeeintrag durch große Fensterflächen, eine gut gedämmte und luftdichte Hülle, die die Wärme im Haus hält, sowie warme Nächte, in denen das Haus kaum noch auskühlt. Raum heizt auf ① Solarer Wärme​eintrag durch große Fensterflächen ② Gedämmte, dichte Hülle hält die Wärme im Haus ③ Warme Nächte kaum noch Auskühlung
Drei Entwicklungen wirken zusammen: mehr solare Wärme durch große Fenster, eine Hülle, die diese Wärme festhält, und Nächte, die kaum noch abkühlen. Deshalb wird sommerlicher Wärmeschutz gerade in gut gedämmten Neubauten zum Pflichtthema.
Regionaler Hinweis: Für den Nachweis wird Deutschland in drei Sommer-Klimaregionen eingeteilt. Leipzig und Halle zählen zum wärmeren Tiefland und damit zur heißesten Region C („sommerheiß“). Hier sind heiße Sommer die Regel, nicht die Ausnahme – Überhitzung ist also ein sehr reales Thema, und ein belastbarer Nachweis lohnt sich besonders.

Was der Nachweis prüft – und wann er nötig ist

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG § 14) verlangt, dass ein Gebäude so gebaut wird, dass der Eintrag von Sonnenwärme durch ausreichenden baulichen sommerlichen Wärmeschutz begrenzt ist. Als anerkannte Regel der Technik gilt dafür die DIN 4108-2. Geprüft wird nicht das ganze Haus pauschal, sondern der kritische Raum – also der Raum, der sich am stärksten aufheizen kann (typischerweise ein Zimmer mit großen Fenstern nach Süden oder Westen, unter dem Dach oder in der Ecke). Wer diesen Raum im Griff hat, hat das Gebäude im Griff.

Betrachtet werden dabei nur beheizte Aufenthaltsräume wie Wohn-, Schlaf-, Küchen-, Büro- oder Verkaufsräume. Für Lager, Abstellräume, Bäder, Flure und Treppenhäuser ist kein Nachweis nötig.

Wann Sie ganz ohne Rechnung auskommen: Für einen Raum kann der Nachweis entfallen, wenn der auf die Grundfläche bezogene Fensterflächenanteil klein genug ist – je nach Himmelsrichtung liegt die Grenze etwa zwischen 7 % und 15 % der Raumgrundfläche. Auch mit außenliegendem Sonnenschutz an Ost-, West- und Südfenstern lässt sich der Nachweis unter bestimmten Bedingungen vermeiden. Sobald die Fenster aber größer werden – und das ist heute der Normalfall – führt am Nachweis kein Weg vorbei.

Und genau hier beginnt die eigentliche Frage: Nicht ob nachgewiesen wird, sondern mit welchem Verfahren. Denn davon hängt ab, wie viel Technik am Ende wirklich eingebaut werden muss.

Die zwei Nachweiswege im Vergleich

Die DIN 4108-2 stellt zwei Verfahren zur Wahl. Beide sind zulässig und führen zu einem gültigen Nachweis – sie unterscheiden sich aber deutlich in Aufwand und Genauigkeit.

Sonneneintragskennwertverfahren und thermische Simulation nach DIN 4108-2
 Sonneneintragskennwert­verfahrenThermische Gebäude­simulation
Grundidee Vereinfachter Vergleich: Der vorhandene Sonneneintrag muss kleiner sein als ein zulässiger Grenzwert (Svorh ≤ Szul). Dynamische Berechnung der tatsächlichen Raumtemperatur – Stunde für Stunde über ein ganzes Jahr.
Maßstab Kennwert aus Fensterfläche, Verglasung, Sonnenschutz und Raumgröße. Übertemperaturgradstunden – wie lange und wie weit die Grenztemperatur überschritten wird.
Grenzwert Zulässiger Sonneneintragskennwert (abhängig von Klimaregion, Bauweise, Fensteranteil, Nachtlüftung …). Höchstens 1.200 Kh/a im Wohngebäude (500 Kh/a im Nichtwohngebäude).
Aufwand gering höher (Raumdaten, Nutzung, Klima)
Genauigkeit grob, mit großen Sicherheiten hoch, realitätsnah
Faustregel: Für kleine, unkritische Räume genügt das einfache Verfahren. Sobald große Fensterflächen im Spiel sind und das einfache Verfahren teure Maßnahmen verlangt, spielt die Simulation ihre Stärke aus.

Weg 1: Das Sonneneintragskennwertverfahren

Dieses Verfahren ist bewusst einfach gehalten. Es stellt einen vorhandenen Sonneneintragskennwert (aus Fenstergröße, Glasart, Sonnenschutz und Raumgröße) einem zulässigen Wert gegenüber. Bleibt der vorhandene Wert darunter, ist der Nachweis erbracht. Der zulässige Wert hängt unter anderem von der Klimaregion, der Bauweise (leicht oder massiv/schwer), dem Fensterflächenanteil und einer möglichen Nachtlüftung ab. Der Vorteil: schnell gerechnet. Der Preis dafür: Das Verfahren rechnet auf der sicheren Seite – und diese Sicherheit kostet in der Umsetzung.

Weg 2: Die thermische Gebäudesimulation

Statt eines pauschalen Kennwerts berechnet die Simulation die tatsächliche operative Raumtemperatur für jede einzelne Stunde eines Referenzjahres. Dabei fließen alle Einflüsse ein, die das einfache Verfahren nur grob abschätzt: die Speichermasse der Bauteile (ein massives Haus puffert Wärme viel besser als ein leichtes), die Nachtlüftung, die inneren Wärmequellen (Personen, Geräte, Beleuchtung), Verschattung und das reale Außenklima am Standort. Bewertet wird dann, wie viele Übertemperaturgradstunden zusammenkommen – und dieser Wert muss unter dem Grenzwert bleiben.

Übertemperaturgradstunden: was die Simulation misst

Der Begriff klingt sperrig, die Idee ist einfach. Eine Übertemperaturgradstunde (Einheit Kh) entsteht, wenn die Raumtemperatur eine Stunde lang um ein Grad (1 K) über der Grenztemperatur liegt. Zwei Grad über der Grenze für eine Stunde sind also 2 Kh, ein Grad für drei Stunden ebenfalls 3 Kh. Die Simulation summiert das über das ganze Jahr. Für ein Wohngebäude dürfen höchstens 1.200 Kh pro Jahr zusammenkommen.

Die Grenztemperatur richtet sich nach der Sommer-Klimaregion – und hier zahlt sich die realistische Betrachtung aus:

Grenztemperatur der operativen Raumtemperatur je Klimaregion (DIN 4108-2)
KlimaregionCharakterGrenztemperaturBeispiele
Asommerkühl25 °CKüste, höhere Lagen
Bgemäßigt26 °CGroßteil Deutschlands, z. B. Chemnitz
Csommerheiß27 °CLeipzig, Halle, Oberrheingraben

Erst wenn die operative Temperatur diese Schwelle überschreitet, werden Übertemperaturgradstunden gezählt. Ziel der Planung ist es, mit den richtigen Maßnahmen unter dem Jahresbudget von 1.200 Kh zu bleiben – nicht mehr, aber eben auch nicht unnötig viel.

Übertemperaturgradstunden im Jahresverlauf Diagramm der operativen Raumtemperatur über mehrere heiße Sommertage. Eine gestrichelte Linie markiert die Grenztemperatur von 27 Grad für die Klimaregion C. Überall dort, wo die Temperaturkurve über dieser Linie liegt, entstehen Übertemperaturgradstunden – die schraffierte Fläche über der Linie. Ihre Summe über das Jahr muss unter 1200 Kelvinstunden bleiben. 27 °C 24 °C 20 °C Zeit → heiße Sommertage im Referenzjahr operative Raumtemperatur Grenztemperatur 27 °C (Region C) Übertemperaturgradstunden (Fläche über der Grenzlinie) – Summe ≤ 1.200 Kh/a
Nur die Zeiten, in denen die Raumtemperatur über der Grenztemperatur liegt (schraffierte Fläche), zählen. Die Simulation summiert sie über das Jahr – bleibt die Summe unter 1.200 Kh, ist der sommerliche Wärmeschutz nachgewiesen.

Warum die Simulation oft Geld spart

Das einfache Sonneneintragskennwertverfahren muss viele Unsicherheiten mit pauschalen Annahmen auf der sicheren Seite abdecken. Es kann die Speichermasse eines massiven Hauses, eine wirksame Nachtlüftung oder die konkrete Verschattung nur grob berücksichtigen. Das Ergebnis: Der rechnerische Sonneneintrag fällt schnell zu hoch aus, der Nachweis „reißt“ – und um ihn doch zu bestehen, verlangt das Verfahren zusätzliche, oft teure Maßnahmen: außenliegende Raffstores oder Markisen an vielen Fenstern, spezielles Sonnenschutzglas, kleinere Fenster.

Auch der Software-Hersteller meiner Nachweis-Software formuliert es deutlich: Die Anforderungen nach DIN 4108-2 seien „sehr streng und der Nachweis mittels Sonneneintragskennwertes oft nicht ohne teure technische Konstruktionen möglich“ – die Simulation biete mit ihren „wesentlich genaueren Ergebnissen“ eine gute Alternative. Genau das ist der Hebel.

Weil die Simulation die realen thermischen Verhältnisse abbildet, zeigt sie häufig, dass ein Raum die Grenze von 1.200 Kh auch mit weniger Technik einhält – etwa mit konsequenter Nachtlüftung und Sonnenschutz nur an den wirklich kritischen Fenstern statt an allen. Die im einfachen Verfahren „eingerechnete Sicherheit“ wird sichtbar und lässt sich abbauen.

Wo die Simulation Maßnahmen einspart Vergleich der erforderlichen Schutzmaßnahmen. Beim einfachen Sonneneintragskennwertverfahren ist der Balken lang: ein Teil deckt den tatsächlichen Bedarf, ein großer weiterer Teil ist eingerechnete Sicherheit. Bei der thermischen Simulation ist der Balken kurz und deckt nur den tatsächlichen Bedarf. Die Differenz ist das Einsparpotenzial. Erforderliche Schutzmaßnahmen / Kosten → Sonneneintragskennwert (vereinfacht) tatsächlicher Bedarf eingerechnete Sicherheit Thermische Simulation (realitätsnah) tatsächlicher Bedarf Einsparpotenzial z. B. außenliegender Sonnenschutz oder Sonnenschutzglas, das rechnerisch entfällt
Schematisch: Das einfache Verfahren verlangt Maßnahmen bis zum Ende des langen Balkens – inklusive einer großen Sicherheitsreserve. Die Simulation weist den tatsächlichen Bedarf nach. Die Differenz ist der Spielraum, den Sie in der Umsetzung sparen können.
Ehrlich eingeordnet: Die Simulation ist kein Trick, um Schutz „wegzurechnen“. Sie rechnet genauer – in beide Richtungen. Bei einem wirklich kritischen Raum kann sie auch bestätigen, dass Sonnenschutz nötig ist. Und sie verursacht selbst einen gewissen Aufwand (Raumdaten, Nutzung, Rechenlauf). Sie lohnt sich deshalb vor allem dort, wo das einfache Verfahren teure Maßnahmen fordert – also bei großen Fensterflächen, ambitionierten Effizienz- oder Förderstufen und überall, wo eingesparter Sonnenschutz die Simulationskosten deutlich übersteigt.

Die wirksamsten Maßnahmen gegen Überhitzung

Unabhängig vom Nachweisverfahren entscheiden am Ende dieselben baulichen Stellschrauben darüber, ob ein Raum kühl bleibt. Die wichtigsten in der Reihenfolge ihrer Wirkung:

  • Außenliegender Sonnenschutz (Raffstore, Markise, Rollladen) ist mit Abstand am wirksamsten – er stoppt die Sonne, bevor sie durchs Glas in den Raum gelangt. Innenliegende Vorhänge oder Jalousien helfen deutlich weniger, weil die Wärme dann schon im Raum ist.
  • Nachtlüftung: kühle Nachtluft über geöffnete Fenster (oder eine Lüftungsanlage) trägt die Tageswärme ab. Sie ist einer der stärksten und günstigsten Hebel – setzt aber öffenbare, möglichst sichere Fenster voraus.
  • Speichermasse: massive Wände und Decken puffern Wärme und dämpfen die Temperaturspitzen. Genau diesen Vorteil kann nur die Simulation voll anrechnen.
  • Verglasung & Fenstergröße: Sonnenschutzglas mit niedrigem g-Wert lässt weniger Wärme durch; kritisch große Süd- und Westfenster mit Bedacht dimensionieren. Auch Nordfenster profitieren übrigens von Verschattung – auch diffuse Strahlung wärmt.
  • Orientierung & Verschattung: Dachüberstände und Laibungen helfen, wirken aber wegen der diffusen Strahlung schwächer als eine Verschattung direkt vor dem Glas.
Der Denkfehler, den es zu vermeiden gilt: Sommerlicher Wärmeschutz heißt nicht automatisch „teure Klimaanlage“. In den allermeisten Wohngebäuden lässt sich Überhitzung baulich lösen – mit der richtigen Kombination aus Verschattung, Nachtlüftung und Glasqualität. Die Simulation hilft, genau die Kombination zu finden, die reicht.

Praxisbeispiel: ein Einfamilienhaus im Raum Chemnitz

Wie groß der Unterschied zwischen den beiden Verfahren in der Realität ist, zeigt ein Projekt aus meiner Praxis – ein Einfamilienhaus im Raum Chemnitz mit mehreren großzügig verglasten Räumen. Drei davon fielen bei der Prüfung als kritische Räume auf: ein fast vollständig verglaster Wintergarten, ein Büro und ein Gästezimmer. Mit dem vereinfachten Sonneneintragskennwertverfahren war der Nachweis für keinen dieser Räume zu führen – wegen der großen Fensterflächen und der hohen Sicherheiten der Norm.

Die thermische Simulation (mit EVEBI, nach DIN 4108-2 Abschnitt 8.4 in Verbindung mit DIN EN ISO 13791) brachte die Klärung: Alle drei Räume halten die Grenze von 1.200 Kh/a deutlich ein – teils mit großem Abstand.

Simulationsergebnisse der drei kritischen Räume Balkendiagramm der Übertemperaturgradstunden der drei kritischen Räume gegenüber dem Grenzwert von 1200 Kelvinstunden pro Jahr. Wintergarten 428, Büro 777, Gästezimmer 113 Kelvinstunden – alle deutlich unter dem Grenzwert. Grenzwert 1.200 Kh/a Wintergarten 99,4 % Fensteranteil 428 Kh Büro 70,0 % Fensteranteil 777 Kh Gästezimmer 54,8 % Fensteranteil 113 Kh
Alle drei kritischen Räume bleiben in der Simulation klar unter dem Grenzwert von 1.200 Kh/a – im vereinfachten Verfahren war für keinen von ihnen ein Nachweis möglich. Zahlen aus einem realen, anonymisierten Projekt.
Die drei kritischen Räume: vereinfachtes Verfahren gegenüber Simulation (Grenzwert 1.200 Kh/a)
RaumFensterflächenanteilSonneneintragskennwertThermische Simulation
Wintergarten99,4 %nicht nachweisbar428 Kh/a → erfüllt
Büro70,0 %nicht nachweisbar777 Kh/a → erfüllt
Gästezimmer54,8 %nicht nachweisbar113 Kh/a → erfüllt

Möglich machten das außenliegende, verstellbare Raffstores bzw. Jalousien an den großen Fenstern – also genau die Maßnahme, die die Sonne vor dem Glas abfängt. Statt teurer Zusatztechnik oder kleinerer Fenster genügte die realistische Betrachtung, um den Nachweis sauber zu führen. Der Wintergarten – zu über 99 % aus Glas – kam auf 428 von 1.200 zulässigen Gradstunden.

Regionaler Hinweis aus dem Projekt: Chemnitz liegt in der etwas kühleren Klimaregion B (Grenztemperatur 26 °C) – anders als das wärmere Tiefland um Leipzig und Halle (Region C, 27 °C). Welche Region für Ihr Grundstück gilt, gehört in jeden Nachweis; ich lege sie projektbezogen fest.
Ehrlich beraten heißt vorausdenken: Obwohl der Nachweis erfüllt war, habe ich der Bauherrschaft für die am stärksten belasteten Räume zusätzlich ein Sonnenschutzglas mit niedrigerem g-Wert (≤ 0,5) empfohlen. An den heißesten Tagen klettert die Raumtemperatur trotz Sonnenschutz spürbar über 26 °C – und die Sommer werden wärmer, was die aktuelle Norm noch nicht vollständig abbildet. Ein bestandener Nachweis ist die Pflicht; ein Haus, das auch in 20 Jahren noch angenehm bleibt, ist die Kür.
Ihr Ansprechpartner

Erst realistisch rechnen – dann nur den Sonnenschutz bauen, der wirklich nötig ist.

Als dena-gelisteter Energieeffizienz-Experte erstelle ich Ihren Nachweis zum sommerlichen Wärmeschutz nach DIN 4108-2 – wahlweise über das Sonneneintragskennwertverfahren oder, wo es sich lohnt, über die thermische Gebäudesimulation mit EVEBI. So sehen Sie schwarz auf weiß, welche Maßnahmen Ihr Gebäude in der Region C wirklich braucht – und wo Sie sich teure Technik sparen können. Als Bauträger und Generalunternehmer weiß ich dabei, wie sich das Ergebnis auch sauber umsetzen lässt.

Marcel Gläser, M.Sc. Energieeffizienz-Experte (dena-gelistet) · Sachkundiger für Wärmepumpensysteme nach VDI 4645 (PE) · Bauträger & GU 0176 46559999 Leipzig · Halle (Saale) · Dresden · Freiberg & Umgebung Kostenlose Ersteinschätzung
FAQ

Häufige Fragen zum sommerlichen Wärmeschutz

Was ist sommerlicher Wärmeschutz – einfach erklärt?
Sommerlicher Wärmeschutz umfasst alle baulichen Maßnahmen, die verhindern, dass sich Räume im Sommer zu stark aufheizen – ohne aktive Kühlung. Dazu zählen vor allem außenliegender Sonnenschutz, Nachtlüftung, Speichermasse und die richtige Verglasung. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG § 14) verlangt für Neubauten einen rechnerischen Nachweis nach DIN 4108-2.
Warum wird das Thema immer wichtiger?
Drei Entwicklungen wirken zusammen: Die Sommer werden heißer, mit mehr Hitzetagen und warmen Nächten. Moderne Häuser sind gut gedämmt und luftdicht – das hält im Winter die Wärme drin, im Sommer aber leider auch. Und die Fensterflächen werden immer größer, wodurch mehr Sonnenwärme in die Räume gelangt. Gerade energieeffiziente Neubauten sind deshalb anfällig für Überhitzung.
Welche zwei Nachweisverfahren gibt es?
Die DIN 4108-2 kennt zwei Wege. Das Sonneneintragskennwertverfahren ist ein vereinfachter Vergleich: Der vorhandene Sonneneintrag muss unter einem zulässigen Grenzwert bleiben (Svorh ≤ Szul). Die thermische Gebäudesimulation berechnet dagegen die tatsächliche Raumtemperatur Stunde für Stunde über ein ganzes Jahr und prüft, ob die Übertemperaturgradstunden unter dem Grenzwert bleiben. Beide Verfahren sind zulässig.
Was sind Übertemperaturgradstunden?
Eine Übertemperaturgradstunde (Kh) entsteht, wenn die Raumtemperatur eine Stunde lang um ein Grad über der Grenztemperatur liegt. Die Simulation summiert diese Überschreitungen über das Jahr. Für Wohngebäude dürfen höchstens 1.200 Kh pro Jahr zusammenkommen, für Nichtwohngebäude 500 Kh. Die Grenztemperatur beträgt je nach Klimaregion 25, 26 oder 27 °C.
Warum ist die Simulation oft günstiger als das einfache Verfahren?
Das einfache Sonneneintragskennwertverfahren rechnet mit großen pauschalen Sicherheiten und kann Speichermasse, Nachtlüftung und Verschattung nur grob berücksichtigen. Dadurch verlangt es häufig teure Maßnahmen wie außenliegenden Sonnenschutz an allen Fenstern oder Sonnenschutzglas. Die Simulation bildet die realen thermischen Verhältnisse ab und zeigt oft, dass der Raum die Anforderung auch mit weniger Technik einhält. Diese eingesparten Maßnahmen können die Kosten der Simulation deutlich übersteigen.
In welcher Klimaregion liegt Leipzig?
Das wärmere Tiefland um Leipzig und Halle zählt zur heißesten Sommer-Klimaregion C mit einer Grenztemperatur von 27 °C. Viele höher gelegene Teile Sachsens – etwa Chemnitz – liegen dagegen in der etwas kühleren Region B (26 °C). Welche Region für ein Grundstück gilt, wird im Nachweis festgelegt; im warmen Leipziger Raum ist ein belastbarer Nachweis besonders wichtig.
Wann kann der Nachweis entfallen?
Für einen Raum ist kein Nachweis nötig, wenn der auf die Grundfläche bezogene Fensterflächenanteil klein genug ist – je nach Himmelsrichtung liegt die Grenze etwa zwischen 7 und 15 Prozent. Auch mit normgerechtem außenliegendem Sonnenschutz an Ost-, West- und Südfenstern kann der Nachweis unter bestimmten Bedingungen entfallen. Betrachtet werden ohnehin nur beheizte Aufenthaltsräume, nicht Lager, Bäder, Flure oder Treppenhäuser.
Brauche ich zwingend eine Klimaanlage?
In den allermeisten Wohngebäuden nein. Sommerlicher Wärmeschutz lässt sich baulich lösen – mit der richtigen Kombination aus außenliegender Verschattung, Nachtlüftung, Speichermasse und Glasqualität. Eine aktive Kühlung ist erst dann nötig, wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen. Die Simulation hilft, genau die Kombination zu finden, die reicht, und unnötige Technik zu vermeiden.
Wer erstellt den Nachweis?
Der Nachweis zum sommerlichen Wärmeschutz ist ein bauphysikalischer Nachweis und gehört in die Hand einer qualifizierten Person, etwa eines gelisteten Energieeffizienz-Experten. Ich erstelle ihn als dena-gelisteter Experte – wahlweise das Sonneneintragskennwertverfahren oder die thermische Simulation mit der Software EVEBI – und liefere den prüffähigen Nachweis für GEG, KfW oder QNG.

Quellen und weiterführende Links

Dieser Ratgeber ist eine bewusst vereinfachte, allgemeine Erklärung nach bestem Wissen, Stand Juli 2026, ohne Gewähr. Die erläuternden Grafiken zu den Nachweisverfahren sind schematische Darstellungen zur Veranschaulichung; die Zahlen im Praxisbeispiel stammen aus einem realen, anonymisierten Projekt. Die schematischen Grafiken sind keine maßstäblichen Rechenergebnisse. Maßgeblich für Ihr Vorhaben sind die konkrete Planung, das reale Gebäude sowie die jeweils gültigen Fassungen von GEG und DIN 4108-2 (Abschnitt 8) bzw. DIN EN ISO 13791; der Einzelfall ist zu prüfen.